Künstliche Intelligenz (KI) gab es schon in den 1960er-Jahren. Aber da tauchte sie nur virtuell in Weltraumabenteuern wie „2001 – Odyssee im Weltall“ auf. Erst um die Jahrtausendwende nahm die technologische Entwicklung im Zuge der Digitalisierung zunehmend Fahrt auf. Zuletzt zeigte die breite Anwendung von ChatGPT, wozu künstliche Intelligenz (oder Artificial Intelligence) inzwischen in der Lage ist. KI kann Texte, Bilder, Videos und andere Inhalte generieren und so ganze Branchen grundlegend verändern. „Die KI-Revolution ist bereits seit einiger Zeit im Gange“, erklärt Baki Irmak, Fondsmanager des Digital Leaders Fonds. „Unternehmen, die jetzt nicht in KI investieren, werden in den nächsten Jahren ihre Existenzgrundlage verlieren.“
Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch
Künstliche Intelligenz verändert unser Leben. Nicht nur für den Technologiesektor ist KI ein Wachstumsmotor wie einst das Internet. Die Anwendungen bieten in allen Wirtschaftsbereichen ein breites Feld. Algorithmen unterstützen die Auswertung enormer Datensätze. Sie erkennen Muster und ermöglichen die Automatisierung von Prozessen. Elementar sind dabei lernende Systeme. Sie können in wenigen Jahren autonomes Autofahren perfektionieren oder bei der DNA-Sequenzierung beziehungsweise bei Operationen in Kliniken unterstützen. Auch bei der Verarbeitung von Geodaten oder in der Raumfahrt sind durch künstliche Intelligenz große Fortschritte zu erwarten. An der Börse war künstliche Intelligenz das Anlagethema des Jahres 2023. Der Trend setzte sich bis ins neue Jahr fort. Innerhalb von gut einem Jahr knackte die KI-Vorzeigeaktie Nvidia erst die Eine-Billion-Dollar-Marke, dann die Zwei-Billionen-Dollar-Marke. Inzwischen ist das Unternehmen aus Santa Clara an der Börse drei Billionen Dollar wert und nahe daran, Microsoft als teuerstes Unternehmen der Welt abzulösen.
Chiphersteller profitieren als Erste
Aktuell profitieren vor allem Nvidia und Lieferanten und Auftragsfertiger vom Trend zur KI. Als weltweit führender Spezialist für programmierbare Grafikprozessoren (GPU) hat Nvidia seine GPU-Architektur genutzt, um sich bei KI-Anwendungen in den Bereichen „autonome Fahrzeuge“, „Robotik“ sowie „Virtual Reality“ die Poleposition zu verschaffen. „Die GPUs von Nvidia sind State of the Art“, erklärt Baki Irmak. „Gleichzeitig ist Nvidias Innovationsgeschwindigkeit so hoch, dass die Konkurrenten kaum folgen können.“ Die notwendigen Chips für die GPUs lässt Nvidia fertigen. Davon profitiert vor allem der führende Chip-Auftragshersteller, die taiwanesische TSMC. Auch die niederländische ASML verdankt dem Chip-Boom eine exzellente Auftragslage für ihre Maschinen: „Diesen Unternehmen kann es am Ende des Tages egal sein, welche KI sich durchsetzt, denn jede wird die Nachfrage nach neuen, leistungsfähigeren Chips gleichermaßen befeuern“, erklärt Ernst Konrad, Geschäftsführer und Lead-Portfoliomanager bei der Münchner Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz.
KI fördert Geschäftsmodelle der großen Technologiemarken
Neben Nvidia dürften direkt fünf weitere der „Glorreichen Sieben“ mit ihren Geschäftsmodellen von der künstlichen Intelligenz profitieren. „Denn künstliche Intelligenz lässt sich leicht mit ihren bereits etablierten Geschäftsfeldern verbinden“, meint Ernst Konrad. So verfügen Meta (Facebook) und Alphabet (Google) über einen riesigen Datenpool. Mit diesen Informationen kann die künstliche Intelligenz trainiert werden. Microsoft stellt schon jetzt einen großen Teil der Recheninfrastruktur für Unternehmen zur Verfügung. Zudem ist das zurzeit teuerste Unternehmen der Welt maßgeblich an der nicht börsennotierten OpenAI beteiligt, die mit ChatGPT Furore machte. Microsoft und Apple kontrollieren zudem den Markt der Endgeräte, wo das Potenzial der KI besonders stark genutzt werden kann. Tesla wiederum kann durch das schnelle Fortschreiten der künstlichen Intelligenz seinen Vorsprung beim autonomen Fahren ausbauen.
Große KI-Potenziale im Gesundheitsmarkt und E-Commerce
Die „Glorreichen Sieben“ gehören neben den Spezialisten wie OpenAI mit ihren nahezu unerschöpflichen Ressourcen zu den Entwicklern und Ermöglichern von KI (im Fachjargon „Enablers“). „Mittel- und langfristig dagegen könnte die Wertschöpfung von den ‚Enablers‘ an die ‚Adopters‘ weitergereicht werden“, erklärt Ernst Konrad. Zu den „Adopters“ (Anwendern) gehören für ihn vor allem die Gesundheitsindustrie und das Management zur Kundenpflege (CRM). Auch Brice Prunas, Portfoliomanager des ODDO BHF Artificial Intelligence, sieht im Medizinsektor vielfältige Einsatzmöglichkeiten, die zur Kostendämpfung und Qualitätsverbesserung beitragen können: „KI-gestützte Operationsroboter sind schon im Einsatz. Personalisierte Daten können zukünftig von KI analysiert werden und zu wirksameren Therapien und schnellerer Genesung führen.“ Mit Nvidias Genomik-Toolkit Parabricks etwa würden die Kosten einer Genomsequenzierung auf nur noch 100 US-Dollar gesenkt werden. Diagnostik und Biowissenschaften, die für die Diagnose von Krankheiten und Entwicklung neuer Therapien bedeutend sind, werden weltweit von der amerikanischen Thermo Fisher Scientific und der Schweizer Roche mitgeprägt.
Eine große Transformation erwartet Jeremy Gleeson, Portfoliomanager bei AXA Investment Managers, für den E-Commerce. Auf ihn dürfte weltweit im Jahr 2027 ein Viertel aller Einzelhandelsumsätze entfallen: „Höhere Frachtkosten, Retouren, Preisanpassungen und Lieferkettenstörungen haben die Margen sinken lassen“, erklärt er. KI könnte den Umsätzen Auftrieb geben und die Logistik optimieren, sodass sich Vorreiter einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten.“ Zunächst dürfte mit Amazon auch hier ein Mitglied der „Glorreichen Sieben“ zu den Gewinnern gehören.
Breite Investition in KI per Fonds oder ETF
Künstliche Intelligenz ist ein Renner – auch in der Investmentszene. Entsprechend können Anleger inzwischen auch auf eine Vielzahl von Fonds und ETFs zurückgreifen, um das Risiko zu streuen. Zu den bekanntesten aktiv gemanagten Fonds gehört der BGF World Technology. Er investiert in Technologie-Unternehmen mit starkem Standbein in der KI. Die Top-Drei-Beteiligungen im Portfolio sind mit großem Abstand Nvidia, Microsoft und Apple. Der DWS Invest Artificial Intelligence konzentriert sich noch stärker auf den Sektor der künstlichen Intelligenz. Dazu gehören Unternehmen aus Automatisierung, Big Data, maschinellem Lernen und Robotik. Die Top Drei sind aktuell Alphabet, Nvidia und Microsoft. TSMC und Amazon sind ebenfalls stark vertreten. Der Allianz Global Artificial Intelligence hat seinen Schwerpunkt speziell bei maschinellem Lernen und neben Alphabet auch Tesla und Meta am höchsten gewichtet. Der ODDO BHF Artificial Intelligence investiert nicht nur in KI-Aktien, sondern nutzt auch bei der Auswahl AI-Algorithmen. Größte Positionen sind aktuell Nvidia, Microsoft und Amazon. Der Digital Leaders Fund – R von Pyfore mixt den Branchengrößen verstärkt Small und Mid Caps wie die kasachische Kaspi bei und ist auch in China und anderen asiatischen Ländern engagiert. Der US-Anteil am Portfolio liegt anders als bei den meisten KI-Fonds „nur“ bei rund 50 Prozent.
Zunehmend populär sind auch ETFs, die auf Aktien der künstlichen Intelligenz setzen. Zu den bekanntesten gehört der L&G Artificial Intelligence UCITS ETF – USD ACC. Neben Nvidia und Alphabet sind die britische Darktrace, der amerikanische Halbeiterproduzent Analog Devices und die Sicherheitsspezialisten von Palo Alto Networks stark vertreten. Im WisdomTree Artificial Intelligence UCITS ETF führen aktuell Micron Technology, Teradyne und TSMC die Liste der Portfolio-Schwergewichte an. Im Amundi MSCI Robotics & AI ESG Screened UCITS ETF und im Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF ist jeweils Nvidia ganz vorn. Diese beiden ETFs sind bei comdirect als Top-Preis ETF ohne Orderentgelt im Sparplan erhältlich.
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